In den letzten drei Monaten habe ich keine Rückblicke geschrieben. Trotzdem fällt dieser Rückblick vergleichsweise kurz aus. Im Moment kann ich gar nicht alles aufschreiben, was passiert ist.
Von außen betrachtet war in dieser Zeit so gut wie nichts zu sehen: keine Blogartikel, kein Obsidian-Kurs, keine neuen Angebote, kein Newsletter. Das übliche Programm fand einfach nicht statt.
Dafür spielte sich in meinem Inneren umso mehr ab. Die richtigen Worte für innere Vorgänge zu finden, ist gar nicht so einfach, das kennst du sicher auch.
Aber was ist passiert?
In den letzten Monaten habe ich immer größere Widerstände gegen mein Business aufgebaut – obwohl es doch eigentlich mein sogenanntes Herzensbusiness ist. Zuerst dachte ich, es sei einfach Überarbeitung und würde nach meinem Dänemark-Urlaub im März von allein verschwinden. Der Urlaub war dann auch ausgesprochen erholsam und ich konnte sehr gut abschalten.
Doch nach der Rückkehr konnte ich nicht mehr an meinen Schreibtisch. Alles, was auch nur im Entferntesten mit meinem Business zu tun hatte, blockierte mich. Ich verstand die Welt nicht mehr. Was war hier los?
Ich fühlte mich wie eine Fliege am Fenster. Wie wild stieß ich ständig gegen das Glas, in der festen Überzeugung, dass direkt vor mir doch der Ausgang liegen musste. Direkt vor mir war es hell, hinter mir war es (scheinbar) dunkel – dahin wollte ich nicht. Also flog ich immer heftiger und öfter gegen das Glas. Aua! Aua! Aua! Vor lauter Anstrengung, bis zur Erschöpfung, und ständig schmerzhaft den Kopf stoßend, bemerkte ich nicht, dass genau auf der gegenüberliegenden Seite eine Tür sperrangelweit offen stand.
Und dann habe ich mir eine Frage gestellt, die ich mich bisher nicht zu fragen getraut hatte: „Was wäre, wenn ich mich tatsächlich die ganze Zeit schon so verhalte wie die Fliege am Fenster?“
Und wenn das so wäre – was liegt dann genau auf der gegenüberliegenden Seite?
Planung, Struktur, Strategie – das waren immer meine Lieblingsthemen. Ich war glücklich damit und wurde für diese Eigenschaften auch sehr geschätzt.
Was ist das Gegenteil von Planung, Fokus und Struktur?
Chaos? Sich treiben lassen? Orientierungslosigkeit?
Das konnte es doch nicht sein, oder?
Und dann begann ganz allmählich in mir etwas zu erwachen, das ich seit vielen Jahren vollkommen vergessen hatte, ja nicht einmal mehr an seine Existenz glaubte: Die Intuition.
Intuition als innere Stimme, die immer weiß, was richtig ist und immer nur das Beste für einen will. Dieses unbestimmte Bauchgefühl, das uns bei Entscheidungen die bessere Richtung aufzeigt. Ganz allgemein könnte man es als eine nicht-rationale, innere Wahrnehmung beschreiben, die jenseits der Logik arbeitet.
Leider ist diese Stimme, dieses Bauchgefühl in dem lauten Getöse, von dem wir im Alltag umgeben sind, nur selten oder gar nicht zu hören. Vielleicht hat man sogar Zweifel daran, ob es diese innere Stimme überhaupt gibt. Und selbst wenn man dieses Phänomen kennt, traut man ihm oft nicht, weil es nicht so schnell und zuverlässig funktioniert wie eine Amazon-Bestellung.
Falls du mich kennst, vielleicht sogar schon mal Kundin bei mir warst, dann weißt du, dass ich es liebe, Struktur in Dinge zu bringen und für mich nur Zahlen, Daten und Fakten zählten. Sogar ChatGPT nennt mich ein „Strukturwunder“! Ich bin bekannt dafür, logisch und analytisch zu denken.
Das liebe ich immer noch, aber mein Gespür sagt mir, dass wir mit Logik, Rationalität und effizienten Arbeitsmethoden allein in der heutigen Zeit nicht mehr weiterkommen.
Die Informationsüberflutung ist unter anderem eine Folge des Glaubens, mit mehr Informationen bessere Entscheidungen treffen zu können. Das funktioniert auch – aber nur bis zu einem gewissen Grad. Irgendwann gibt es einen Punkt, an dem ein Mehr an Informationen nicht mehr zu besseren Entscheidungen führt, sondern nur noch Verwirrung stiftet.
Oder nimm den gegenteiligen Fall: Es liegen nicht genügend Informationen vor, aber du muss trotzdem eine Entscheidung treffen. Was machst du dann? Raten? Eine Münze werfen? Oder vielleicht in sich hineinhorchen und lauschen, was die innere Stimme sagt?
Als Kind, Jugendliche und junge Erwachsene hatte ich noch eine sehr gute innere Wahrnehmung, die sogar deutlich ausgeprägter war als bei vielen anderen, wie ich heute weiß. Doch dann, eines Tages, verschwand diese Art der Wahrnehmung und blieb über Jahrzehnte verschollen – bis zu diesem Frühjahr!
Sie entwickelte sich in den letzten drei bis vier Monaten und ist jetzt stärker als jemals zuvor. Wie genau es dazu kam und welche Phasen ich dabei durchlief, werde ich demnächst in einem eigenen Blogartikel beschreiben. Denn mit dieser Entwicklung gingen eine Reihe von Erkenntnissen einher, zum Beispiel:
- Mein Business werde ich so, wie es bisher war, nicht mehr fortführen. Das heißt nicht, dass an meinen Kursen und Coachings etwas falsch war. Ganz und gar nicht. Auf der rationalen Ebene war alles richtig. Aber zukünftig möchte ich mich von meiner inneren Wahrnehmung leiten lassen. Verstand und Herz auf neue Art miteinander verbinden und auf dieser Basis meine Unterstützung anbieten. Wie das aussehen könnte, davon habe ich im Moment noch überhaupt keine Vorstellung. Es wird sich finden.
- Die meisten von uns haben sicher schon eine mehr oder weniger ausgeprägte Verbindung zu ihrem Bauchgefühl. Aufgrund meiner Erfahrungen der vergangenen Monate merke ich, wie viel besser es mir gesundheitlich geht, seit ich wieder meinem Gespür vertraue. So viel besser, dass ich baff erstaunt bin, wie ich so lange ohne meine Intuition leben konnte.
- Das bringt mich zu dem nächsten Punkt: Meine Vermutung ist, dass es uns allen sehr viel besser gehen würde, wenn wir wieder mehr auf unsere innere Stimme hören würden. Ich glaube, unsere Welt würde sehr viel schöner aussehen, wenn wir alle wieder mehr unserem Gespür vertrauen.
Für den Moment habe ich beschlossen, meine bisherigen Kurse und 1:1-Coachings nicht mehr anzubieten. Stattdessen werde ich hier im Blog der Frage nachgehen: Wie passen Intuition und Business zusammen?
- Wie begegnet uns unser Bauchgefühl im Alltag?
- Wann ist es „echte“ Intuition und wann nur ein körperliches Empfinden oder ein flüchtiger Gedanke?
- Und vor allem: Welche Möglichkeiten gibt es, die Intuition zu stärken?
Dazu habe ich in den letzten Monaten einiges entdeckt und möchte es hier gern mit dir teilen.
Wann bist du schon mal deinem Bauchgefühl gefolgt, entgegen allen rationalen Überlegungen? Erzähl mir davon!
Schreib es in die Kommentare oder direkt an moin@sabinebahr.com – ich bin gespannt, was Du zu berichten hast und beantworte Deine Fragen gern!
Liebe Grüße
Sabine
Übrigens: Bei Judith Peters gibt es noch viele andere Blogger die regelmäßig ihre Monatsrückblicke dort veröffentlichen.



Liebe Sabine,
was für ein spannender Rückblick! Keine Aufzählung von: ich hab das und das gemacht, sondern eine tiefgehende Innenschau – jetzt nach außen gebracht für uns Leser (danke). Interessant für mich auf zwei Ebenen: dir staunend dabei zuzuschauen, wie du etwas Wesentliches veränderst und dich entwickelst (Hut ab) und dann, dass es mich selbst auch ins Nachdenken bringt. Fakten und Infos finde ich weiterhin sehr wichtig, aber die Intuition darf gern mehr gehört werden. Hab ich früher tatsächlich mehr gemacht (z. B. bei der Jobwahl), sollte ich vielleicht wieder …
Bin schon sehr neugierig auf deine Entdeckungen 😊.
Einstweilen liebe Grüße
Franziska
Liebe Franziska,
wie schön du meine „Innenschau“ zusammengefasst hast, so wertvoll für mich.
Inzwischen habe ich es schon öfter gehört, dass einige früher öfter auf ihre Intuition gehört und danach gehandelt haben. Es bestärkt mich, das Thema weiterzuentwickeln, alltagstauglich für uns alle.
Liebe Grüße,
Sabine
Pingback: KW32/2025: Alle TCS-Blogartikel - The Content Society